Zusammenfassungen der Predigten im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A)

Regenbogen über dem Rochusberg in Bingen

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Haben Sie es manchmal eilig? Oder möchten Sie die Quintessenz einer Predigt weitergeben? Dann helfen Ihnen vielleicht die Zusammenfassungen, die ich mit Hilfe von KI erstellt habe.
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Paulus schreibt an die Christen in Rom, dass die Leiden dieser Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die Gott schenken wird (Röm 8,18-23). Das klingt zunächst befremdlich. Denn wer Krankheit, Trauer oder Gewalt erlebt, könnte darin eine naive Vertröstung auf das Jenseits sehen. Doch Paulus spricht aus eigener leidvoller Erfahrung. Er weiß, wie zerbrechlich das Leben ist.

Die Schöpfung ist von Vergänglichkeit geprägt. Alles in ihr entsteht und vergeht. Warum Gott die Welt so geschaffen hat, wissen wir nicht. Paulus richtet den Blick jedoch auf die Hoffnung: Nicht nur die Menschheit, sondern die ganze Schöpfung ist dazu bestimmt, an Gottes Herrlichkeit Anteil zu erhalten.

Dabei dürfen wir uns das ewige Leben nicht als bloße Fortsetzung unseres jetzigen Daseins vorstellen. Gott schenkt eine neue Wirklichkeit, die unsere Vorstellungen übersteigt. Vergänglich sind unsere Körper und diese Welt – nicht aber Gottes Liebe. Kein Geschöpf fällt jemals aus ihr heraus.

Gerade deshalb besitzt die gesamte Schöpfung eine unverlierbare Würde. Sie ist nicht bloß ein Rohstofflager für menschliche Bedürfnisse. In ihr und durch sie möchte Gott uns begegnen. Papst Franziskus erinnert in seiner Enzyklika Laudato si‘ daran, dass die Erde unter den Folgen unseres verantwortungslosen Handelns leidet. Wer die Schöpfung verletzt, verletzt letztlich auch sich selbst.

Jesus verweist immer wieder auf die Natur, um Gottes Reich zu erklären. Auch in der Eucharistie werden die Früchte der Erde zu Zeichen seiner Gegenwart. So erfahren wir schon heute, dass Gott seine Schöpfung nicht aufgibt.

Deshalb sind wir gerufen, achtsam mit Menschen, Tieren und der gesamten Schöpfung umzugehen. Die Welt wartet auf Menschen, die Gottes Liebe sichtbar machen. Wo das geschieht, wächst Hoffnung – für uns und für die leidende Schöpfung.

© Walter Mückstein

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Manchmal haben wir den Eindruck, unsere Worte und unser Einsatz verpuffen. Wir bemühen uns um unsere Kinder, engagieren uns in Beruf, Gemeinde oder Ehrenamt und fragen uns irgendwann: Hat das überhaupt etwas bewirkt?

Jesus kennt diese Erfahrung. Im Gleichnis vom Sämann (Mt 13,1-9) erzählt er von Saat, die auf ganz unterschiedlichen Boden fällt. Einiges geht verloren, anderes wird erstickt oder verdorrt. Doch ein Teil fällt auf guten Boden und bringt reiche Frucht.

Dieses Gleichnis erzählt nicht nur von verschiedenen Menschen. Es erzählt auch von uns selbst. Es gibt Zeiten, in denen unser Herz offen ist für Gottes Wort, und Zeiten, in denen Sorgen, Enttäuschungen oder innere Unruhe kaum Raum dafür lassen. Wir sind nicht immer derselbe Boden.

Dennoch hört Jesus nicht auf zu säen. Er vertraut darauf, dass Gottes Wort wirken kann – oft verborgen und lange bevor wir seine Früchte erkennen. Darin liegt eine große Hoffnung: Nicht wir müssen den Erfolg unseres Tuns garantieren. Unsere Aufgabe ist es, den Samen auszustreuen. Das Wachsen schenkt Gott.

Vielleicht entdecken wir vieles, was aus unserem Leben entstanden ist, erst im Rückblick. Vielleicht bleibt manches auch für immer unseren Augen verborgen. Doch Gott lässt nichts verloren gehen, was aus Liebe geschieht.

Darum dürfen wir unsere Enttäuschungen und Fragen Gott anvertrauen. Wir dürfen weiter hoffen, weiter lieben, weiter säen. Denn Gottes Möglichkeiten reichen weiter als unser Blick.

Das Gleichnis lädt uns ein, das eigene Herz immer wieder neu für Gottes Wort zu öffnen. Wo Vertrauen wachsen kann, dort wächst auch Leben. Und wo Gott wirken darf, entsteht Frucht – oft leise, unscheinbar und doch reich über unsere Erwartungen hinaus.

© Walter Mückstein

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Manchmal begegnen wir Menschen oder Situationen, die von Streit, Rechthaberei und Egoismus geprägt sind. Wer nur um sich selbst kreist, ständig Anerkennung sucht und sich immer wieder beweisen muss, gerät leicht unter Druck. In der heutigen Lesung (Röm 8,9.11-13) nennt der Apostel Paulus ein solches Leben ein Leben „nach dem Fleisch“ – nicht im Sinn des Körpers, sondern als eine Lebensweise, die Gott ausblendet und allein auf die eigene Kraft setzt. Das führt oft zu Unfrieden, Konkurrenzdenken und letztlich zu einem Leben, das weder erfüllt ist noch glücklich macht.

Dem stellt Paulus das Leben „aus dem Geist“ gegenüber. Wer zu Christus gehört, lebt aus einer neuen Identität. Durch Taufe und Firmung schenkt Gott uns seine Nähe und seine Liebe und macht uns so zu neuen Menschen. Wir müssen unseren Wert nicht ständig durch Leistung oder Erfolg beweisen. Als Kinder Gottes dürfen wir darauf vertrauen, dass unser Leben von Gott getragen ist.

Diese Gewissheit schenkt Gelassenheit. Wir müssen nicht auf jede Provokation reagieren oder uns in jedem Konflikt durchsetzen. Rückschläge und Ungerechtigkeiten verlieren ihre zerstörerische Macht, wenn wir wissen, dass uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann.

Auch Jesus lädt uns im Evangelium (Mt 11,25-30) ein: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.“ Wer sich an ihm orientiert, lernt Güte und Demut – nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als Ausdruck innerer Freiheit. Jesus selbst hat gezeigt, dass Gottes Liebe stärker ist als Hass und Tod.

Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen unter Anspannung und gesellschaftlichen Spannungen leiden, sind die biblischen Texte eine Einladung, aus dem Geist Gottes zu leben. Wer sich von ihm leiten lässt, findet Ruhe für die Seele und kann anderen mit Güte begegnen. So wächst ein Leben, das von Hoffnung, Gelassenheit und Vertrauen geprägt ist.

© Walter Mückstein

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Urlaubszeit ist für viele die schönste Zeit des Jahres. Endlich abschalten, entspannen und die Seele baumeln lassen. Doch oft zeigt sich: Äußerlich sind wir zwar frei, innerlich laufen die Motoren weiter. Stress, Erwartungen und der Druck, allem gerecht werden zu müssen, begleiten uns auch in die Ferien. Wie finden wir wirklich zur Ruhe?

Das Evangelium lädt uns ein, auf Jesus zu hören: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Jesus spricht Menschen an, die unter Lasten leiden. Zur Zeit Jesu waren es vor allem die vielen religiösen Vorschriften, heute sind es häufig Leistungsdruck, Perfektionismus und die Erwartungen anderer – oft aber auch unsere eigenen.

Jesu Botschaft ist befreiend: Gottes Liebe muss nicht verdient werden. Sie ist Geschenk. Unser Glaube soll nicht zusätzlichen Druck erzeugen, sondern entlasten. Deshalb fordert Jesus uns auf, von ihm zu lernen: Er ist gütig und demütig. Demut bedeutet dabei nicht Selbsterniedrigung, sondern Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Wer die eigenen Grenzen kennt, Schwächen annehmen kann und gut mit sich selbst umgeht, lebt freier und gelassener.

Auch der Römerbrief weist in diese Richtung. Paulus stellt ein Leben, das nur um die eigenen Wünsche und Erfolge kreist, einem Leben aus Gottes Geist gegenüber. Wer meint, alles allein schaffen zu müssen, gerät leicht unter Druck. Wer sich dagegen von Gottes Geist leiten lässt, entdeckt: Erfülltes Leben ist letztlich Geschenk. Es wächst aus Vertrauen, Liebe und der Gewissheit, von Gott bedingungslos angenommen zu sein.

Urlaub und Erholung sind wichtig. Doch die tiefste Ruhe finden wir nicht an einem bestimmten Ort und auch nicht durch perfekte Freizeitgestaltung. Sie wächst dort, wo wir Gottes Einladung annehmen und darauf vertrauen, dass wir nicht alles leisten müssen. Christus schenkt eine Ruhe, die tiefer reicht als jede äußere Erholung – eine Ruhe, die Leib und Seele aufleben lässt.

© Walter Mückstein

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Wo und wie kann ich Gott in meinem Alltag begegnen? Diese Frage beschäftigt viele Menschen. Die Erzählung von der Schunemiterin und dem Propheten Elischa (2 Kön 4,8–17) in der heutigen 1. Lesung gibt darauf eine überraschende Antwort.

Die Frau erkennt in ihrem häufigen Gast mehr als einen Reisenden: Sie erkennt einen Mann Gottes. Damit zeigt sie eine Haltung, die auch uns helfen kann, Gottes Gegenwart zu entdecken. Gott begegnet uns oft nicht im Außergewöhnlichen, sondern in Menschen, Begegnungen und Situationen des Alltags. Voraussetzung dafür ist ein waches und offenes Herz.

Die Schunemiterin richtet Elischa ein eigenes Zimmer ein. Das ist mehr als ein Akt der Gastfreundschaft. Es wird zum Bild für die Frage, ob Gott in unserem Leben nur gelegentlich willkommen ist oder einen festen Platz hat – im Gebet, in der Stille und in unserem täglichen Handeln.

Bemerkenswert ist auch, dass die Frau keine Gegenleistung erwartet. Sie versucht nicht, Gott für ihre eigenen Interessen in Anspruch zu nehmen. Gerade darin öffnet sie sich für Gottes überraschendes Handeln. Erst als sie nichts fordert, empfängt sie das, worauf sie längst keine Hoffnung mehr gesetzt hatte: die Verheißung eines Sohnes. Die Bibel erzählt solche Geschichten immer wieder, um zu zeigen: Wo Menschen an ihre Grenzen kommen, kann Gott neue Zukunft eröffnen.

Diese Botschaft gilt auch heute. Wer Gott Raum gibt, ihm vertraut und sich nicht allein auf die eigenen Möglichkeiten verlässt, entdeckt oft ungeahnte Wege. Gottes Zusagen schenken Hoffnung, eröffnen neue Perspektiven und geben Kraft, selbst schwierige Situationen neu anzugehen. Darum dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott uns auch heute Zukunft und Hoffnung schenken will.

© Walter Mückstein

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„Ich will alles – und zwar sofort!“ Mit diesem Lied brachte Gitte Hænning vor über 40 Jahren die Sehnsucht vieler Menschen auf den Punkt: endlich wirklich leben – frei, selbstbestimmt und erfüllt. Bis heute suchen Menschen nach dem, was ihrem Leben Sinn gibt. Wir investieren Zeit, Kraft und Geld, um unser persönliches Glück zu finden.

Umso überraschender klingt Jesu Aussage im heutigen Evangelium (Mt 10,37-42): „Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“ Was meint er damit?

Im griechischen Urtext stehen verschiedene Begriffe für „Leben“. Hier verwendet Jesus nicht das Wort für das biologische Leben, sondern für das innere Leben – das, was unserem Dasein Sinn und Richtung gibt. Seine Warnung richtet sich deshalb nicht gegen Lebensfreude oder Selbstverwirklichung. Er macht vielmehr deutlich: Wer den Sinn seines Lebens ausschließlich aus sich selbst heraus sucht, wird am Ende enttäuscht werden. Was wir allein auf unsere Wünsche und Leistungen gründen, bleibt zerbrechlich.

Jesus eröffnet eine andere Perspektive. Er lädt dazu ein, den Blick über das eigene Ich hinaus zu weiten und sich auf Gottes Reich einzulassen. Das bedeutet nicht, Familie oder Freundschaften geringzuschätzen. Wohl aber stellt Jesus alles unter die größere Wirklichkeit Gottes, die Menschen verbindet und Gemeinschaft stiftet.

Zur Zeit Jesu war ein erfülltes Leben ohnehin nicht zuerst individuell gedacht, sondern in der Verantwortung füreinander. Wer sich auf Jesus einlässt, gewinnt eine neue Gemeinschaft, die über Familie und Herkunft hinausreicht. Das Evangelium verheißt ein Leben, das tiefer reicht als persönlicher Erfolg oder Besitz.

Die Bibel bezeugt: Alles Leben kommt von Gott. Durch Jesus Christus wird uns Anteil an diesem göttlichen Leben geschenkt – einem Leben, das schon jetzt beginnt und über den Tod hinaus Bestand hat. Deshalb lädt Jesus uns ein, unseren Horizont zu erweitern und unser Leben in die größere Gemeinschaft des Glaubens einzubringen. Dort finden wir nicht nur Sinn, sondern die Fülle des Lebens, zu der Gott jeden Menschen beruft.

© Walter Mückstein

Auch Paulus greift diese Erfahrung auf. In seinem Brief an die Gemeinde in Rom (Röm 5,12-16) verweist er auf Adam als Symbol für den Menschen, der in Schuld und Unheil verstrickt ist. Dabei geht es nicht nur um persönliches Fehlverhalten. Menschen sind häufig Teil von Strukturen und Systemen, die Ungerechtigkeit, Ausbeutung oder Leid verursachen, ohne dass einzelne Personen dies bewusst beabsichtigen. Niemand lebt völlig unabhängig von solchen Zusammenhängen.

Paulus beschreibt diese Wirklichkeit als die Macht des „alten Menschen“. Sie zeigt sich überall dort, wo Egoismus, Ungerechtigkeit und Gleichgültigkeit das Leben bestimmen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wie können wir diesem Kreislauf entkommen?

Seine Antwort überrascht. Paulus fordert nicht zuerst zu moralischer Anstrengung auf. Er sagt nicht: „Werdet besser, dann wird alles gut.“ Vielmehr verweist er auf Jesus Christus und auf die bedingungslose Liebe Gottes. Diese Liebe ist nicht die Belohnung für gutes Verhalten. Sie wird den Menschen geschenkt, noch bevor sie etwas leisten oder vorweisen können.

Gerade darin liegt für Paulus die befreiende Kraft des Glaubens. Wer sich von Gott angenommen weiß, muss sein Lebensrecht nicht verdienen. Die eigene Vergangenheit hat nicht das letzte Wort. Gottes Liebe ist stärker als die zerstörerischen Kräfte dieser Welt. Der Grund unseres Lebens liegt nicht in unseren Leistungen, sondern in Gottes vorbehaltloser Zuwendung.

Aus dieser Erfahrung wächst eine neue Freiheit: die Freiheit, nicht immer Recht haben zu müssen, auf Vergeltung zu verzichten, nachzugeben, zu vergeben und solidarisch zu handeln. Dadurch verschwindet das Böse nicht aus der Welt. Aber es verliert an Macht.

Jesus hat dabei nicht Gott verändert, sondern unser Bild von Gott. In seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung zeigt sich ein Gott, der den Menschen mit Liebe begegnet und sie nicht auf ihre Schuld festlegt.

Darum lohnt es sich, weniger zu fragen: „Wer ist schuld?“, sondern häufiger: „Was dient der Liebe?“ Dort beginnt Veränderung – im persönlichen Leben und in unserer Gesellschaft.

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Im Evangelium des 12. Sonntags im Jahreskreis (Mt 10,26-33) fordert Jesus seine Jüngerinnen und Jünger gleich mehrfach auf: „Fürchtet euch nicht!“ Diese Ermutigung richtet sich an Menschen, die wegen ihres Glaubens Ablehnung, Anfeindungen oder sogar Verfolgung erfahren. Schon die ersten christlichen Gemeinden galten vielen als Störenfriede, weil sie bestehende Vorstellungen und Gewohnheiten infrage stellten. Dennoch sollten sie ihre Botschaft nicht verschweigen, sondern offen und mutig verkünden.

Jesus begründet diesen Mut mit dem Vertrauen auf Gott. Kein Mensch ist Gott gleichgültig. Jeder Einzelne ist von ihm geliebt und getragen. Selbst in schwierigen Situationen bleibt Gottes Fürsorge bestehen. Wer darauf vertraut, kann Angst überwinden und für das eintreten, was richtig und wahr ist.

Auf den ersten Blick wirkt Jesu Warnung vor dem Verderben von Leib und Seele durch Gott befremdlich. Doch sie zeichnet nicht das Bild eines strafenden Gottes. Die biblische „Hölle“ ist kein Ort göttlicher Rache, sondern die Folge einer selbstgewählten Trennung von Gott. Gott weist niemanden zurück; seine Hand bleibt ausgestreckt. Wer sich jedoch bewusst von ihm entfernt, verliert die Quelle des Lebens und der Hoffnung.

Diese Botschaft hat auch heute Bedeutung. Unsere Gesellschaft entfernt sich zunehmend von ihren christlichen Wurzeln. Der Gottesbezug, auch in unserem Grundgesetz, der einst das Denken und Handeln vieler Menschen geprägt hat, verliert an Bedeutung. Umso mehr sind Christinnen und Christen aufgerufen, ihren Glauben sichtbar zu leben und ihre Werte zu vertreten – in der Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis und in der Öffentlichkeit.

Dabei geht es nicht um Lautstärke oder Konfrontation, sondern um glaubwürdiges Zeugnis. Christliche Werte wie Menschenwürde, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Verantwortung brauchen Menschen, die für sie einstehen. Wer Gott nicht mehr zur Sprache bringt, trägt dazu bei, dass er in Vergessenheit gerät.

Der Auftrag Jesu bleibt aktuell: Ausgrenzung überwinden, heilend wirken, Missstände benennen und mutig für die Frohe Botschaft eintreten. Wo Menschen dies tun, kann Gottes Reich wachsen – in ihrem eigenen Leben und in der Welt.

© Walter Mückstein

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Viele Menschen tragen – oft unbewusst – die Überzeugung in sich: Liebe, Anerkennung und Zuwendung müsse man sich verdienen. Wer den Erwartungen anderer entspricht, wird angenommen; wer Fehler macht, riskiert Ablehnung. Diese Erfahrung prägt häufig auch das Gottesbild.

Deshalb begegnet man immer wieder der Vorstellung: Gott liebt zwar alle Menschen, aber gerade mich kann er wegen meiner Fehler und Schwächen nicht wirklich lieben. Der Apostel Paulus widerspricht dieser Sicht entschieden. In der heutigen Lesung aus seinem Brief an die Gemeinde in Rom (Röm 5,6-11) erinnert er die Gläubigen daran, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch fern von Gott waren. Gerade darin zeigt sich Gottes Liebe: Sie ist keine Belohnung für gutes Verhalten, sondern sein Geschenk.

Gottes Liebe unterscheidet sich grundlegend von menschlicher Liebe. Menschen können enttäuscht werden und sich zurückziehen. Gottes Liebe dagegen bleibt bestehen. Sie hängt nicht davon ab, ob wir alles richtig machen. Deshalb können wir sie weder verdienen noch verlieren.

Diese Botschaft ist mehr als eine religiöse Theorie. Wer wirklich glaubt, bedingungslos geliebt zu sein, gewinnt innere Freiheit. Wir müssen nicht ständig in Angst leben, vor Gott zu versagen. Wir dürfen unser Leben gestalten, Neues wagen und auch Fehler machen. Gott begleitet uns nicht als strenger Kontrolleur, sondern wie ein liebender Vater, eine liebende Mutter.

Weil Gott uns bedingungslos liebt, können wir ihm bedingungslos vertrauen. Seine Liebe trägt uns durch das Leben. Sie schenkt uns Freiheit und Hoffnung über den Tod hinaus.

© Walter Mückstein

Dabei geht es nicht darum, Ärztinnen, Ärzte oder Therapeutinnen und Therapeuten zu ersetzen. Doch wir können dazu beitragen, dass Menschen gesund bleiben oder neue Kraft finden. Denn Krankheit hat nicht nur körperliche Ursachen. Dauerhafter Stress, Konflikte, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit oder fehlender Lebenssinn können Körper und Seele belasten.

Was bedeutet Jesu Auftrag heute?

„Heilt Kranke!“
Jesus verweist immer wieder auf die Kraft des Glaubens. Gemeint ist nicht nur der Glaube an Gott, sondern auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Menschen zu ermutigen, Hoffnung zu geben und ihr Selbstvertrauen zu stärken, kann ein wichtiger Beitrag zur Heilung sein.

„Weckt Tote auf!“
Nicht biologisch Tote sind gemeint, sondern Menschen, die innerlich resigniert haben, keine Perspektive mehr sehen oder sich aufgegeben haben. Hier können Aufmerksamkeit, Mitgefühl und echte menschliche Zuwendung neue Lebensenergie schenken.

„Macht Aussätzige rein!“
Jesus stellte sich gegen Ausgrenzung. Auch heute erleben viele Menschen Ablehnung, weil sie krank, schwach oder anders sind. Christliche Gemeinden sollen Orte sein, an denen Menschen Annahme, Wertschätzung und neue Chancen erfahren.

„Treibt Dämonen aus!“
Die Dämonen der biblischen Zeit verstehen wir heute anders. Dennoch gibt es lebensfeindliche Botschaften, die Menschen prägen und kleinhalten: „Du bist nichts wert“, „Aus dir wird nichts“, „Du bist unerwünscht“. Solche zerstörerischen Überzeugungen verlieren ihre Macht, wenn ihnen Anerkennung, Ermutigung und Wertschätzung entgegengesetzt werden.

Schwere körperliche oder seelische Erkrankungen brauchen fachkundige Behandlung. Doch Christinnen und Christen sind aufgerufen, überall dort eine heilsame Atmosphäre zu schaffen, wo sie leben und wirken. Wer Menschen Hoffnung, Annahme und Ermutigung schenkt, macht etwas von Gottes Reich schon heute erfahrbar.

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Viele Menschen erleben die Kirche heute nicht mehr als Heimat. Die Autorin Regina Laudage-Kleeberg beschreibt diesen Schmerz als „obdachlos katholisch“: Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit trifft auf die Erfahrung, nicht wirklich angenommen zu sein. Solche Gefühle teilen viele, die sich von der Kirche enttäuscht abgewendet haben – wegen ungelöster Reformfragen, des Missbrauchsskandals oder weil sie sich ausgegrenzt fühlen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt das Evangelium von der Berufung des Zöllners Matthäus (Mt 9,9-13) besondere Aktualität. Jesus setzt sich bewusst mit Menschen an einen Tisch, die von anderen gemieden werden. Sein Auftrag lautet: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ Und an anderer Stelle sagt er: „Der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ (Lk 19,10)

Dabei geht es nicht darum, Schuldige zu benennen. Menschen können verloren gehen, ohne selbst schuld zu sein. Wer ausgegrenzt wird, verliert Heimat und Geborgenheit. Zugleich verliert auch die Gemeinschaft einen Teil von sich selbst.

Heute gehen der Kirche viele Menschen verloren: Jugendliche finden oft keinen Zugang zu den Gemeinden, engagierte Gläubige ziehen sich enttäuscht zurück, andere fühlen sich aufgrund ihrer Lebenssituation oder sexuellen Orientierung nicht willkommen. Auch der Ausschluss von Frauen aus den Weiheämtern kostet die Kirche wertvolle Begabungen.

Das Evangelium erinnert uns daran, dass gerade diese Menschen Jesus besonders am Herzen liegen. Er ruft dazu auf, ihnen mit Offenheit, Respekt und Barmherzigkeit zu begegnen. Diese Aufgabe können wir nicht allein den Verantwortlichen der Kirche überlassen. Sie beginnt bei jedem Einzelnen – in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft oder am Arbeitsplatz.

Dabei geht es nicht zuerst um die Zukunft der Institution Kirche, sondern um die Menschen. Oft bewirken kleine Gesten mehr als große Programme: ein offenes Gespräch, eine Einladung, ein Zeichen der Solidarität. Kirche wird dort erfahrbar, wo Menschen einander Heimat geben.

Jesus hat gesagt: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen… Amen, ich sage euch: „Was ihr für einen meiner geringsten Geschwister getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Vgl. Mt 25,35.40) Auch darum sind wir eingeladen, auf Menschen zuzugehen, die sich kirchlich oder menschlich heimatlos fühlen, und ihnen ein Stück Zugehörigkeit zu schenken.

© Walter Mückstein


Vorösterliche und österliche Zeit


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„Ich habe die Gebote im Großen und Ganzen eingehalten, also passt es schon.“ Dieser Gedanke ist gar nicht so selten. Dahinter steckt ein Glaube, der sich vor allem an äußeren Regeln orientiert: Genau hier setzt Jesus in der Bergpredigt an. (Mt 5,17-37) Er ist gekommen, das „Gesetz“, wie es vor allem in den 10 Geboten zum Ausdruck kommt, zu erfüllen.

Das klingt zunächst einmal so, als würde Jesus alles noch verschärfen. Doch es geht es ihm nicht um strengere Vorschriften. Er will den tieferen Sinn der Gebote erschließen. „Du sollst nicht töten“ bedeutet z.B. eben mehr, als niemanden umzubringen. Es heißt auch: Die Würde des anderen achten. Wer schlecht über andere redet, sie verletzt oder ausgrenzt, greift ihre Würde an. So verstanden zielen die Gebote auf das Herz. Sie wollen das Leben schützen und Beziehungen bewahren.

Aber Jesus zeigt auch, dass Regeln kein Selbstzweck sind. Wenn er am Sabbat heilt oder seine Jünger Ähren pflücken lässt, macht er deutlich: Das Gesetz ist für den Menschen da – nicht der Mensch für das Gesetz. Wo Regeln dem Leben dienen, erfüllen sie ihren Sinn. Wo sie dem Menschen schaden, haben sie ihr Ziel verfehlt.

Es geht also um mehr als um richtig oder falsch im engen Sinn. Viele von uns sind mit einem Gewissen aufgewachsen, das stark von Lohn und Strafe geprägt war. Das gibt Orientierung, bleibt aber oft an der Oberfläche. Jesus lädt uns ein, weiterzugehen – zu einem reifen Gewissen. Nicht die Frage „Was ist gerade noch erlaubt?“ soll uns leiten, sondern: „Was lässt mein Leben echter, freier und liebevoller werden?“

Die Gebote Gottes wollen uns helfen, unsere Persönlichkeit zu entfalten. Sie wollen uns nicht überfordern, sondern in die Freiheit führen. Jesus traut uns zu, aus dem Geist der Liebe zu handeln – nicht aus bloßer Pflichterfüllung. So wird Glaube lebendig. Und unsere „Gerechtigkeit“ wächst nicht durch Buchstabentreue, sondern durch Barmherzigkeit, Verantwortung und Liebe.

© Walter Mückstein

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Jesus nennt seine Jüngerinnen und Jünger „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“. (Mt 5,13-16) Das ist ein starkes Bild – und ein großes Kompliment. Salz gibt dem Leben Geschmack und Würze, Licht schenkt Orientierung und Sicherheit. Das heißt: Christsein soll nicht fade, belanglos oder unsichtbar sein. Denn Salz, das seinen Geschmack verliert, ist nutzlos; Licht, das versteckt wird, hilft niemandem weiter. Genau vor diesen Gefahren warnt Jesus sehr klar.

Viele Menschen empfinden Kirche und Christentum heute tatsächlich als kraftlos oder unglaubwürdig. Worte allein überzeugen nicht mehr. Entscheidend ist, ob unser Leben zu dem passt, was wir sagen. Glaubwürdigkeit entsteht dort, wo Handeln und Werte übereinstimmen, wo jemand sagt, was er meint, und tut, was er sagt – auch dann, wenn es unbequem wird.

Jesus selbst kritisiert religiöse Menschen, die viel reden, aber nicht entsprechend handeln. Gute Taten sind der Ort, an dem Glauben sichtbar wird. Licht leuchtet nicht für sich selbst, sondern für andere. Es geht dabei nicht um moralische Überlegenheit, sondern um eine Haltung, die aus dem Glauben erwächst.

Zentrale christliche Werte wie Nächstenliebe, Ehrlichkeit, Vergebungsbereitschaft und Solidarität stehen heute oft im Kontrast zu Egoismus, Ausgrenzung und Rücksichtslosigkeit. Gerade hier sind Christinnen und Christen gefragt: nicht laut, nicht rechthaberisch, sondern klar, menschlich und dialogbereit. Dort, wo Menschen angegriffen werden, stehen wir zu ihnen. Dort, wo Unrecht geschieht, benennen wir es. Und dort, wo Fehler passieren, bleiben wir barmherzig – auch mit uns selbst.

Niemand kann das perfekt leben. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich immer wieder auf Jesus hin auszurichten und ggf. neu anzufangen. Wenn dann jemand fragt, warum wir so anders handeln, dürfen wir schlicht sagen: Weil ich Christin/Christ bin. So wird Glaube konkret – und Gottes Wirken sichtbar.

© Walter Mückstein

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Die Predigt beginnt mit Aussagen, die viele heute teilen: Es gebe keinen Beweis für Gott, Naturwissenschaft erkläre die Welt auch ohne ihn, Leid spreche gegen einen gütigen Schöpfer, Gott sei letztlich nur eine menschliche Projektion. Solche Gedanken begegnen Gläubigen oft bis hinein ins eigene Umfeld. Umfragen zeigen: Nur noch eine Minderheit glaubt an einen persönlichen Gott. Wer glaubt, gilt schnell als naiv oder töricht.

Doch genau hier setzt der christliche Glaube an – und dreht die Perspektive um. Paulus sagt: Gott erwählt bewusst das Törichte und Schwache, um die scheinbar Weisen zu beschämen. (Lesung: 1 Kor 1, 26–31) Was aus weltlicher Sicht töricht wirkt, kann vor Gott ein Zeichen von Weisheit sein. Auch die Seligpreisung „Selig, wer arm ist vor Gott“ / „Selig die Armen im Geist“ wird oft missverstanden. (Evangelium: Mt 5, 1–12a) Gemeint sind nicht Unvernünftige, sondern Menschen, die wissen: Aus eigener Kraft reicht es nicht für ein erfülltes Leben. Sie erkennen ihre Bedürftigkeit vor Gott und öffnen sich für seine Liebe und Barmherzigkeit.

Jesus macht deutlich: Wer sich selbst genügt – durch Besitz, Leistung oder Überheblichkeit – hat keinen Raum mehr für Gott. Wer aber innerlich arm ist, wer sich nicht selbst zum Maß aller Dinge macht, dem gehört das Himmelreich. Die Bibel nennt töricht nicht den Glaubenden, sondern den, der sagt: „Es gibt keinen Gott“, weil er sich selbst absolut setzt.

Am Ende steht eine Entscheidung: Will ich klug erscheinen in den Augen der Welt oder offen sein für Gottes Weisheit, die sich letztlich im Kreuz zeigt – in Hingabe, Gnade und Liebe?

Wenn Glaube einengt und unfrei macht, darf man dieses Gottesbild loslassen. Wenn er aber Halt, Trost und Freiheit schenkt, dann gilt: Wer Gott vertraut, darf aufhören, sich ständig Sorgen zu machen – und das Leben wirklich genießen.

© Walter Mückstein

Eine Zusammenfassung der Predigt
„Eingeladen zur Gottseligkeit“ finden Sie hier

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Jesus ruft Menschen in seine Nachfolge – und dieser Ruf klingt im heutigen Evangelium (Mt 4, 12–23) wörtlich übersetzt überraschend direkt: „Auf, hinter mich!“ Das wirkt zunächst hart, fast autoritär. Doch gemeint ist kein blinder Gehorsam, sondern eine Einladung in eine vertrauensvolle Beziehung. Jesus ist überzeugt: Gottes Reich will diese Welt verändern, und er braucht Menschen, die diesen Weg mit ihm gehen. Darum spricht er die Fischer am See an – ganz normale Leute mitten im Alltag – und sie lassen sich berühren. Etwas in ihnen spürt: Hier geht es um mehr, um Sinn, um Leben in Fülle.

Der Ruf Jesu bedeutet dabei nicht, sich klein zu machen oder die eigene Persönlichkeit aufzugeben. „Hinter mich“ heißt vielmehr: Stell dich hinter mich, halte mir den Rücken frei, teile meine Vision. Jesus will Vorbild sein, Orientierung geben. Er versteht sich selbst als Weg zum Leben, als Zugang zu Gott. Dieser Weg ist kein exklusiver Sonderpfad für wenige Auserwählte. Wer aus Liebe lebt, wer sich dem Guten öffnet, ist bereits unterwegs – auch wenn er Jesus vielleicht gar nicht kennt. Und das „Himmelreich“, von dem Jesus spricht, ist kein fernes Jenseits, sondern beginnt hier und jetzt, mitten unter uns, wo Menschen nach seinem Geist leben und handeln.

Der Ruf Jesu gilt nicht nur damals, sondern auch heute. Er richtet sich an jede und jeden ganz persönlich. Die entscheidende Frage ist: Wie reagieren wir darauf? Reicht es zu sagen: Ich bin doch schon getauft, Kirchenmitglied, gehe sonntags in den Gottesdienst? Oder hat der Glaube spürbare Konsequenzen für unseren Alltag? Jesus fragt nach gelebter Nachfolge, nach dem Willen Gottes, der im konkreten Tun sichtbar wird.

Glaubwürdiges Christsein heißt, sich immer wieder neu hinterfragen zu lassen und offen zu bleiben für diesen Ruf. Die Worte Jesu – besonders in der Bergpredigt, die an den kommenden Sonntagen Thema ist – fordern heraus, aber sie öffnen auch einen Weg zu einem erfüllteren Leben. Wer sich darauf einlässt, wer hört und handelt, kann erfahren: Das Himmelreich kommt näher. Schritt für Schritt.

© Walter Mückstein

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Wer ist Jesus und was bedeutet er für uns? Wenn man diese Frage mit einem Bild beantworten will, klingt die Antwort aus dem Johannesevangelium (Joh 1,29-34) zunächst fremd: „Das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Was soll das bedeuten?

Für die Menschen zur Zeit Jesu war dieses Bild sehr vertraut. Ein Lamm stand für Leben, Zukunft und Hoffnung. Es war kostbar, lebensnotwendig und zugleich ein Opfertier, mit dem man Gott besänftigen und ihm nahe sein wollte. Besonders das Paschalamm erinnerte an die Befreiung aus Unterdrückung und Sklaverei. Wer Jesus „Lamm Gottes“ nennt, sagt damit: In ihm schenkt Gott neues Leben – nicht durch Macht, sondern durch Hingabe, Geduld und Liebe.

Doch was heißt es, dass Jesus die „Sünde der Welt“ hinwegnimmt? Sünde meint in der Bibel nicht zuerst einzelne schlechte Taten, sondern das, was daraus entsteht: zerstörte Beziehungen, Trennung, Einsamkeit – zwischen Menschen und letztlich auch zwischen Mensch und Gott. In biblischen Zeiten glaubte man, Gott ziehe sich von den Sündern zurück. Jesus aber hat genau das Gegenteil verkündet und gezeigt. Er hat sündige Menschen nicht ausgeschlossen, sondern ihnen Gottes Nähe zugesprochen. Er war besonders denen nahe, die schuldig geworden waren. Er hat ihnen gezeigt: Gott liebt euch. Darum verstößt er euch nicht.

Diese Haltung hat Jesus bis zum Äußersten gelebt – bis zum Tod am Kreuz. Damit hat er deutlich gemacht: Die Trennung zwischen Gott und den Menschen ist nicht das letzte Wort. Gott bleibt zugewandt. Wer sich ihm öffnet, erfährt Vergebung und darf neu anfangen.

Das feiern wir in jeder heiligen Messe. Im gewandelten Brot gibt sich Jesus selbst – als Zeichen dafür, dass seine Liebe heilt, was zerbrochen ist. Wer das im Glauben annimmt, darf erfahren: Gottes Wort richtet auf. Seine Liebe macht die Seele gesund.

© Walter Mückstein

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„Klappern gehört zum Handwerk“ – so heißt es im Volksmund. Wer gehört werden will, muss laut sein, auffallen, sich bemerkbar machen. Das gilt in Politik, Werbung und oft auch im Alltag. Doch die Bibel zeichnet ein ganz anderes Bild von Gottes Wirken. Der Knecht Gottes, von dem der Prophet Jesaja spricht, schreit nicht, lärmt nicht und drängt sich nicht in den Vordergrund. Er wirkt leise, aber kraftvoll – getragen vom Geist Gottes. (Vgl. Lesung: Jes 42,5a.1-4.6-7)

Dieser Knecht steht für Gerechtigkeit. Er setzt sich ein für die Schwachen, für die Gebrochenen, für jene, die kaum noch Hoffnung haben. Ein geknicktes Rohr zerbricht er nicht, einen glimmenden Docht löscht er nicht aus. Gott handelt nicht zerstörend, sondern aufrichtend. Er gibt Menschen Würde – auch dann, wenn sie nach menschlichen Maßstäben nichts mehr „leisten“.

Für die Christen wurde klar: In Jesus von Nazareth erfüllt sich dieses Bild. Bei seiner Taufe (Mt 3,13-17) wird offenbar, wer er ist: der geliebte Sohn, erfüllt vom Geist Gottes. In seinem ganzen Leben zeigt er, wie Gottes Nähe aussieht – nicht laut und überrumpelnd, sondern heilend, stärkend und barmherzig. Jesus ist das Urbild des Knechtes Gottes.

Doch dabei bleibt es nicht stehen. Auch wir sind durch Taufe und Firmung mit diesem Geist beschenkt. Auch wir sind gerufen, als Söhne und Töchter Gottes zu leben: nicht getrieben vom Zwang, uns beweisen zu müssen, sondern frei, aus Gottes Liebe heraus. Wir dürfen ein Gegenzeichen setzen zum Lärm, zur Härte und zur Menschenverachtung unserer Zeit – indem wir achtsam sind, barmherzig handeln und besonders die Schwachen im Blick behalten. So kann Gottes leises, aber lebensveränderndes Wirken auch heute durch uns sichtbar werden.

© Walter Mückstein

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