Kirche steht heute unter massivem Vertrauensverlust. Davon sind nicht nur Institutionen betroffen, sondern wir alle, die sich zum christlichen Glauben bekennen.
Die Versuchung ist groß, sich mit dem Glauben ins Private zurückzuziehen. Doch gerade jetzt stellt sich die Frage neu:
„Wie können wir vor Ort unter den augenblicklichen kirchlichen und gesellschaftlichen Bedingungen unser Christsein glaubwürdig leben?
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Hier die wesentlichen Punkte des Vortrags
übersichtlich zusammengefasst:
1. Ausgangspunkt:
Eine Krise der Glaubwürdigkeit
Kirche steht heute unter massivem Vertrauensverlust. Besonders die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und der oft unzureichende Umgang kirchlicher Verantwortungsträger damit haben Glaubwürdigkeit zerstört. Viele Menschen reagieren mit Skepsis, Spott oder Ablehnung.
Davon sind nicht nur Institutionen betroffen, sondern wir alle, die wir zur Kirche gehören. Die Versuchung ist groß, sich ins Private zurückzuziehen. Doch gerade jetzt stellt sich die Frage neu: Wie können wir vor Ort glaubwürdig Christinnen und Christen sein?
2. Was heißt Glaubwürdigkeit?
Glaubwürdigkeit bedeutet:
Übereinstimmung von Wort, Tat und Wirkung.
Was wir von Gott, Liebe und Vergebung sagen, muss sich in unserem Verhalten widerspiegeln. Doch sobald wir konkret fragen, wie wir „christlich“ glaubwürdig leben, geht es nicht nur um allgemeine Moral, sondern um das spezifisch Christliche.
3. Maßstab: Die Bibel – im Geist verstanden
Die Heilige Schrift ist Grundlage unseres Glaubens. Doch ihre Worte sind in konkrete Zeiten hineingesprochen. Sie dürfen nicht nur buchstäblich gelesen, sondern müssen im Geist verstanden werden. Paulus formuliert:
„Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ (2 Kor 3,6)
Christinnen und Christen sind „Brief Christi“ (vgl. 2 Kor 3,3). Unser Leben selbst ist die Botschaft. Menschen lesen an uns, was Christus bedeutet.
➡️ Ein Blatt mit Gebetsimpulsen zu diesem Aspekt finden Sie hier.
4. Anständig sein genügt nicht
Ein verlässliches, ehrliches Leben ist selbstverständlich. Aber auch Nicht-Christen leben anständig. Moral allein ist kein spezifisch christliches Kennzeichen.
Die Frage lautet daher:
Was ist der Mehrwert eines christlichen Lebens?
5. Der tiefere Sinn der Gebote – Die Bergpredigt
In der Bergpredigt (Mt 5–7) führt Jesus das alttestamentliche Gesetz zu seinem tieferen Sinn. Er verschärft es nicht, sondern erfüllt es.
Beispiel:
„Du sollst nicht töten“ schützt nicht nur das Leben, sondern die Würde des Menschen. Wer andere herabsetzt oder ausgrenzt, verletzt diesen Sinn.
Glaubwürdige Christinnen und Christen fragen daher nicht nur: „Was ist erlaubt oder verboten?“
Sondern: „Was dient dem Leben?“
Sie begnügen sich nicht mit formaler Korrektheit, sondern reagieren aus einer Haltung der Liebe – zu Gott, zu den Mitmenschen und zu sich selbst.
➡️ Ein Blatt mit Gebetsimpulsen zu diesem Aspekt finden Sie hier.
6. Barmherzigkeit und Solidarität mit den Ausgegrenzten als Erkennungszeichen
Ein zentrales Wort Jesu lautet:
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk 6,36)
Nicht richten, nicht verurteilen, sondern vergeben –
das ist ein Kern christlicher Glaubwürdigkeit.
Jesus verurteilt die Sünde, aber nicht den Sünder. Er eröffnet neue Wege.
Auch wir sind gerufen:
- Menschen nicht auf ihre Fehler zu reduzieren
- Vergebung zu leben
- mit uns selbst barmherzig zu sein
Hier zeigt sich ein deutlich christliches Profil.
Jesus war „Freund der Zöllner und Sünder“. Er suchte die Nähe derer, die am Rand standen.
Glaubwürdiges Christsein zeigt sich besonders im Umgang mit den Ausgegrenzten unserer Zeit:
- Nähe statt Distanz
- Solidarität statt Abwertung
- dem Bösen mit Gutem begegnen (vgl. Röm 12,21)
Das ist nicht bequem. Es kann den eigenen Ruf kosten.
Doch genau darin liegt der Kern der Nachfolge Jesu.
➡️ Ein Blatt mit Gebetsimpulsen zu diesem Aspekt finden Sie hier.
7. Das „Kreuz“ der Nachfolge
Jesus fordert dazu auf, sein je eigenes Kreuz auf sich zu nehmen.
Das bedeutet nicht, Leid passiv zu ertragen. Jesus hat Leid nicht verherrlicht, sondern gelindert.
Das Kreuz ist die Konsequenz einer konsequenten Liebe.
Wer aus Liebe handelt, wird mit Widerstand rechnen müssen.
Vor allem diese mögliche Ablehnung ist das Kreuz der Nachfolge.
8. Glaubwürdig sein – nicht nur handeln
Glaubwürdigkeit betrifft nicht nur unser Tun, sondern auch die Art, wie wir auf andere wirken.
Weder freudloser Ernst noch künstliche Dauerfröhlichkeit wirken überzeugend.
„Erlöst“ aussehen (Nietzsche) heißt:
- innerlich gelöst sein
- sich von Gott angenommen wissen
- auch in schweren Zeiten getragen sein
Eine solche Gelassenheit wächst aus Vertrauen.
9. Das sanfte Joch
All das klingt anspruchsvoll. Doch Jesus sagt:
„Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“ (Mt 11,30)
Christliche Nachfolge steht nicht unter Leistungsdruck. Niemand muss perfekt sein.
Glaubwürdig leben heißt:
- das zu leben, was man vom Evangelium verstanden hat (Frère Roger)
- die eigenen Möglichkeiten ernst nehmen; zu den eigenen Stärken und Schwächen stehen
- sich nicht überfordern
Wer – auch moralisch – über seine Verhältnisse lebt, wird unglaubwürdig. Wer im Vertrauen auf Gott treu und wahrhaftig lebt, was in seiner/ihrer Kraft steht, wird glaubwürdig sein.
Von ChatGPT erstellte Zusammenfassung des Vortrags von
© Pfr. Walter Mückstein am 9.3.2026
